Commodore-264-Serie

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Zur Commodore 264-Serie bzw. CBM 264-Serie, die als Ersatz für den VC-20 und C64 gedacht war, gehören die Commodore-Computer C16, C116 und Plus/4.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte

1983 verlangte Jack Tramiel von seinen Ingenieuren die Entwicklung eines neuen Computers für das untere Ende des Marktes, mit welchem er primär gegen die Produkte der Firma Sinclair antreten wollte. Der in die Jahre gekommene VC-20 war für den ZX Spectrum technisch keine Konkurrenz, der C64 hingegen spielte preislich in einer höheren Liga. Tramiel forderte daher einen Computer, dessen Fähigkeiten denen des Spectrum überlegen sein sollten, der jedoch keinesfalls mehr als USD 50,- in der Herstellung kosten durfte. Kompatibilität zu VC-20 oder C64 stand dabei zu keiner Zeit im Lastenheft des neuen Rechners.

[Bearbeiten] Technik

Jack Tramiel hatte zu Beginn der Entwicklung der 264-Serie seinen Ingenieuren zur Auflage gemacht, den neuen Computer mit maximal 9 Chips auszustatten, um Produktionskosten zu sparen. Daher entwickelte die hauseigene Chip-Schmiede MOS Technology, basierend auf den Erfahrungen mit dem VC-20, den kombinierten Multifunktionschip TED für Grafik- und Soundausgabe sowie verschiedene I/O-Funktionen als Herzstück des neuen Rechners. Mit einer Auflösung von 320×200 Bildpunkten und einer Palette von 121 Farben zeigte sich der neue Chip dem anvisierten Gegner ZX Spectrum in dieser Disziplin klar überlegen. Mit den beiden integrierten Tonkanälen verfügte der TED zwar über über die doppelte Anzahl gegenüber dem Spectrum, blieb aber gleichzeitig in punkto Soundfähigkeiten selbst hinter dem alten VC-20 deutlich zurück, dessen VIC schon zwei Jahre früher drei Ton- sowie einen Geräuschkanal besaß, und damit Klänge erzeugen konnte, zu welchen der TED nicht in der Lage war.
Als Prozessor diente mit dem 7501, wie bei Commodore in dieser Zeit üblich, eine Unterversion des altehrwürdigen 6502, welche sich lediglich durch die Fertigung in HMOS-Technologie sowie die gesteigerte Taktfrequenz von 1,76 MHz vom Original unterschied.
Als Betriebssystem kam erstmals seit dem VC-20 ein deutlich verbessertes und um zahlreiche Befehle erweitertes BASIC zum Einsatz. Die neue Version 3.5 enthielt u.a. endlich eigene Befehle für Grafik- und Soundverarbeitung sowie Diskettenbetrieb, außerdem zusätzliche Kommandos zur strukturierten Programmierung. Die Verwendung dutzender kryptischer POKE- und DATA-Befehle selbst in vergleichsweise einfachen BASIC-Programmen, wie dies bei den Vorgängern noch notwendig war, gehörte damit der Vergangenheit an.
Zur Datenspeicherung sollten die Diskettenlaufwerke der Vorgänger verwendet werden können. Daher erhielt der neue Computer den gleichen seriellen Bus wie VC-20 und C64. Zusätzlich wurde jedoch auch ein Parallelbus integriert, an welchem das spätere Diskettenlaufwerk 1551 Verwendung finden sollte, welches aufgrund der parallelen Datenübertragung das Geschwindigkeitsmanko der alten 1540/1541 Laufwerke beheben sollte.

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Joystick mit Adapter

Auch der neue Computer sollte, wie der C64 vor ihm, zwei Joystickbuchsen erhalten. Da jedoch geplant war, den Computer in einem deutlich verkleinerten Gehäuse zu produzieren, wurden hierfür erstmals keine Buchsen nach Atari-Standard verwendet, sondern damals neuartige Mini-DIN-Anschlüsse, welche deutlich weniger Platz beanspruchten. Dieser Vorteil wurde jedoch damit erkauft, dass kein handelsüblicher Joystick mehr ohne zusätzlichen Adapter angeschlossen werden konnte.
Als einer der ersten Computer überhaupt sollte der neue Commodore von Anfang an auch eine grafische Benutzeroberfläche namens Magic Desk II erhalten. Ähnlich wie beim für den C64 erhältlichen Magic Desk sollte der Computer über grafische Symbole und Menüs gesteuert werden können, wobei der Funktionsumfang gegenüber dem C64-Original deutlich wachsen sollte.


[Bearbeiten] Weitere Entwicklung

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Jack Tramiel mit C364 auf der CES 1984

Unter anderem bedingt durch den Umzug von Commodore in die neue Firmenzentrale in West Chester Mitte 1983, gerieten die Arbeiten am 264-Projekt in Verzug. Nach der Vorstellung der neuen Rechner auf der CES im Januar 1984 und der kurz danach erfolgten Entlassung Jack Tramiels, überredeten die für das Marketing verantwortlichen Personen bei Commodore Tramiels Nachfolger dazu, die neuen Computer anders am Markt zu positionieren als ursprünglich vorgesehen. Insbesondere sollte der C264, statt nur eine Abrundung des Programms nach unten darzustellen, nunmehr auch gezielt als Nachfolger des C64 aufgebaut werden.
Die Ingenieure um Robert Russell und Bil Herd planten ursprünglich, den neuen Rechner in drei Varianten zu veröffentlichen: Als Basisversion C264 mit 64 KByte RAM, 32 KByte ROM plus weiteren 32 KByte ROM, welche ein vom Anwender auszusuchendes Programm enthalten sollten. Weiterhin als Einsteigerversion C232 mit lediglich 32 KByte RAM (erweiterbar auf 64 KByte) und ohne zusätzliche Software im ROM, sowie letztlich als Luxusversion C364 in vergrößertem Gehäuse mit abgesetztem Ziffernblock und integriertem Magic Voice Sprachsynthesizer, welcher ein festes Vokabular von ca. 260 Wörtern enthalten sollte.
Aufgrund der vom Marketing durchgesetzten Repositionierung der 264-Serie, ging von den ursprünglich geplanten Modellen nur der C264 in Serie. Allerdings wurden statt der vom Anwender frei wählbaren Software 4 fest vorgegebene Büroanwendungen im ROM verankert, und die Bezeichnung des Computers darauf Bezug nehmend in Plus/4 geändert. Die bereits als Vorserienmodelle gebauten C232 sowie der als Prototyp fertiggestellte C364 wurden ersatzlos gestrichen. Stattdessen wurde die Produktpalette durch zwei neue Modelle nach unten erweitert. Zum einen um den C116, welcher der ursprünglich geplanten Positionierung als Sinclair-Killer auch äußerlich durch sein verkleinertes Gehäuse mit Gummitastatur eher entsprach als die anderen Modelle der Reihe, durch den kleinen Speicherausbau von nur 16 KByte aber deutliche Einschränkungen bei der Leistungsfähigkeit hinnehmen musste. Zum anderen um den C16, welcher die gleichen technischen Daten wie der C116 aufwies, aber im alten Brotkastengehäuse der Vorgängermodelle geliefert wurde, und damit zumindest über eine vollwertige Tastatur verfügte.
Durch die mehrfache Überarbeitung des ursprünglichen Entwurfs zog sich die Entwicklungsarbeit an den neuen Computern bis weit ins Jahr 1984 hin. Einer der empfindlichsten Rückschläge für das Projekt war der Abgang des Programmierers John Feagans, der Jack Tramiel zu Atari folgte. Da keiner der bei Commodore verbliebenen Software-Ingenieure in der Lage war, dessen Arbeit an Magic Desk II fortzusetzen, musste insbesondere der Plus/4 ohne die für ihn schon beworbene und auf der CES vorgestellte grafische Benutzeroberfläche auf den Markt gebracht werden. Statt der ursprünglich von Tramiel als Verkaufspreis festgesetzten USD 99,- erschien der Plus/4 schließlich nach der Sommer-CES 1984 für USD 249,-.

[Bearbeiten] Markterfolg

Der Verkaufserfolg der neuen 264-Serie blieb nach dem Verkaufsstart im zweiten Halbjahr 1984 weit hinter den Erwartungen zurück. Der Plus/4 litt als Bürocomputer an der mangelhaften Qualität der im ROM verankerten Anwendungssoftware ebenso wie an der für professionelle Anwendungen nicht geeigneten Tastatur ohne abgesetzten Ziffernblock, sowie dem Fehlen einer Bildschirmdarstellung mit 80 Zeichen pro Zeile. Außerdem war für das System keinerlei hochwertige Bürosoftware von Drittanbietern verfügbar. Einem Erfolg als Nachfolger des C64 standen nicht nur die nicht vorhandene Kompatibilität mit dessen riesigem Softwareangebot entgegen, sondern auch die teilweise deutlich schlechteren technischen Fähigkeiten in Bezug auf die für Spiele essentiell wichtigen Bereiche Sound und Sprites. Die größte Hürde war jedoch der mit 1.298 DM deutlich zu hohe Preis. Ein C64 kostete im gleichen Zeitraum bereits teilweise unter 700 DM.
Am unteren Ende des Marktes standen C16/116 ebenso auf verlorenem Posten, da im Spätjahr 1984 eine Speicherausstattung von nur 16 KByte RAM ebenso wenig zeitgemäß war, wie das Fehlen von wichtigen Features wie Sprites oder gutem Sound. Dem ursprünglich anvisierten Konkurrenten ZX Spectrum verzieh man diese Mängel noch aufgrund dessen riesigem Angebot an hochwertiger Software und Zubehör, den neuen Commodore-Rechnern fehlte jedoch beides. Außerdem war der Preis des übermächtigen C64 mittlerweile so weit gefallen, dass kaum jemand bereit war, die Nachteile der neuen Computer für den vergleichsweise geringen Preisnachlass in Kauf zu nehmen (UVP C16: 498 DM), bzw. im Falle des Plus/4 sogar noch einen saftigen Aufpreis zu bezahlen. Schlechte Pressebewertungen sowie die sehr zurückhaltende Bewerbung des neuen Produkts und das Fehlen fast jeglicher Softwareunterstützung durch Commodore taten ein Übriges.
Die neuen Computer fristeten während des gesamten folgenden Jahres ein Schattendasein am Markt und verkauften sich nur äußerst schleppend. Im Zuge der Restrukturierung der Firma Commodore durch den neuen CEO Thomas Rattigan Ende 1985 wurde die Herstellung der gesamten 264-Produktlinie daraufhin stillschweigend beendet.

[Bearbeiten] Kooperation mit ALDI und Vobis

Im Bemühen, die katastrophale Situation wenigstens abzumildern und die Lagerbestände an unverkauften C16/116 und Plus/4 doch noch zumindest teilweise an den Mann zu bringen, ging Commodore 1986 eine Kooperation mit der Discounterkette ALDI ein. Diese bot hauptsächlich die Modelle C16 und C116 in der Folge in verschiedenen Variationen z.b. als Einsteiger- und Lernpakete mit und ohne Zubehör zu Preisen teils unter 200 DM an. Erst dadurch fanden die Computer schließlich doch noch rasanten Absatz, da die Käufer hier erstmals einen wirklich guten Gegenwert für ihr Geld erhielten. Erst jetzt ging das ursprüngliche Konzept, dem Benutzer einen günstigen und gerade für Einsteiger hervorragend geeigneten Computer zu einem attraktiven Preis anzubieten, voll auf. Auch in Osteuropa, hier insbesondere in Ungarn, fanden die Computer durch diesen Marketingschachzug großen Absatz.
Ein echtes Schnäppchen stellte 1987 das Angebot des Computerdiscounters Vobis dar: Ein Plus/4 inklusive Diskettenlaufwerk 1551 für weniger als 400 DM! Die zunächst prall gefüllten Lager bei Commodore waren dementsprechend schnell geleert, bis Ende 1987 hatten fast alle produzierten Computer der 264-Serie doch noch einen Käufer gefunden. Gewinn wurde hierdurch jedoch nicht mehr erzielt, da die Preise teilweise unter den Herstellungskosten der Geräte lagen.

[Bearbeiten] Softwareangebot

Während des Produktionszeitraums der 264-Serie wurden die Computer vom Markt kaum wahrgenommen. Während selbst Commodore der eigenen Produktlinie nur spärliche Softwareunterstützung in teils zweifelhafter Qualität zuteil werden ließ, ignorierten die großen Softwarehäuser die Existenz von Commodores neuester Schöpfung größtenteils. Von einigen, zumeist älteren, bekannten Titeln erschienen Portierungen für den C16/116, welche jedoch aufgrund dessen geringer Speichergröße sowie den fehlenden Sprites oft deutliche Abstriche in der Qualität gegenüber dem Original hinnehmen mussten. Positive Ausnahmen waren ironischerweise oft Portierungen vom ZX Spectrum, dessen Software aufgrund der dort ebenfalls fehlenden Sprites und des bescheidenen Sounds leichter umzusetzen war als auf den C64 zugeschnittene Spiele.
Programme für den Plus/4 bzw. C16/116 mit Speichererweiterung auf 64 KByte, welche das wahre Potential der Computer hätten ausnutzen können, blieben die Ausnahme, da sie auf nicht aufgerüsteten C16/116 nicht lauffähig gewesen wären, und damit auf einen großen Teil der ohnehin spärlichen Käufergruppe hätten verzichten müssen. Zu den wenigen Firmen, welche der 264-Linie größere Unterstützung zuteil werden ließen, gehörte die deutsche Firma Kingsoft, welche zahlreiche Programme von gehobener Qualität wie z.B. das heute schon legendäre Winter Olympiade teilweise exklusiv für die 264-Reihe entwickelte. Das Engagement von Kingsoft blieb jedoch die Ausnahme.
In Ungarn entwickelte sich im Anschluss an die Discounteraktion von 1986/87 eine regelrechte Plus/4-Szene, die bis in die heutige Zeit aktiv ist, und viele teils hochwertige Adaptionen bekannter Programme wie z.B. Barbarian für die 264-Serie umsetzt. Auch wurden und werden dort eigene Spiele und Demos entwickelt, welche eindrucksvoll unter Beweis stellen, wozu die Computer bei umfassender Ausnutzung ihrer Fähigkeiten tatsächlich in der Lage gewesen wären.

[Bearbeiten] Literatur

  • Bagnall, Kretzinger, Forster: VolksComputer: Aufstieg und Fall des Computer-Pioniers Commodore und die Geburt der PC-Industrie, ISBN 978-3-00-023848-2

[Bearbeiten] Links

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