GO64!

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Begriffsklärung Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. GO64 (Begriffsklärung).

Die GO64! war ein monatlich im CSW-Verlag erscheinendes Printmagazin mit Diskette für den C64, das es nur per Abonnement oder direkt beim Verlag zu kaufen gab. Die Erstausgabe ist zur HobbyTronic 1997 erschienen und zwar als Ausgabe 03/1997.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entstehung und Motivation

Die GO64! wurde von drei C64-Szenern ins Leben gerufen: Günther Bauer (Spockie), Malte Mundt (ThunderBlade) und Enno Conners (Cosowi). Malte Mundt hatte bereits vorher mit der Zeitschrift 64'er zusammengearbeitet und u.a. dort die Einführung einer "Szene-Ecke" durchgesetzt, in der regelmäßig über Demos berichtet wurde. Er war außerdem am Szene-Diskmag Metal Force beteiligt und hatte für die Magic Disk Classic geschrieben, u.a. den Testbericht für das FD-2000.

Als es sich 1996 abzeichnete, dass die Zeitschrift 64'er eingestellt bzw. in ein "Faltblatt mit Diskette" umgewandelt werden sollte, entstand bald eine Art Nutzerbewegung, welche die Erstellung einer eigenen C64-Zeitschrift unterstützte. Der WEKA-Konzern, der den Verlag Markt & Technik bzw. Magna Media aufgekauft hatte, wollte die 64'er nämlich nicht etwa einstellen, weil sie Verluste brachte, sondern weil sie - Gerüchten zufolge - lediglich nicht genug Gewinn brachte. Eine Art Verschwörungstheorie besagte, dass Hard- und Software-Firmen sowie Verlage endlich das Ende des C64 besiegeln wollten, damit die Nutzer ihr Geld für PCs ausgaben. Es erinnerte auch an die merkwürdige Wandlung der Happy Computer in die PC-Zeitschrift "Computer Live" - das passierte bereits 1990, als Heimcomputer wie der Amiga und C64 noch enorm beliebt waren.

Schließlich beschlossen die drei Gründer, Nägel mit Köpfen zu machen und eine eigene C64-Zeitschrift aufzubauen. Diese sollte von Anfang an professionell gestaltet werden und nicht als "Fanzine" daherkommen. Keinesfalls sollte es also in Richtung des kurzlebigen und inhaltlich teils fehlerhaften Brotkasten Live gehen. Man strebte vielmehr an, mindestens so gut zu sein wie vorher die 64'er, wobei man inhaltlich besser werden wollte als die letzten, eher mageren 64'er-Ausgaben und optisch ein ähnlich hoher Anspruch erfüllt werden sollte. Keiner der drei Gründer hatte jedoch eine tiefgehende Ausbildung im Verlagsumfeld, getragen wurde die GO64! ausschließlich von der Energie und dem Enthusiasmus der Macher. Alle Beteiligten arbeiteten ohne Bezahlung. Alle Kosten wurden privat übernommen.

Die oben erwähnte Verschwörungstheorie wurde dann dadurch befeuert, dass die 64'er sich weigerte, in ihrem "Faltblatt" Werbung für die GO64! abzudrucken. Eine unbekannte Zeitschrift würde keine Käufer finden und so schnell zum Rohrkrepierer werden. Davon ließ sich das GO64!-Team aber nicht unterkriegen. Es wurden alle Konsequenzen gezogen: Man begann, per Hand Adressen von Interessenten zu sammeln und anzuschreiben. Dazu wurden die Kleinanzeigen alter 64'er-Ausgaben durchsucht ebenso wie einschlägige Szene-Diskmags.

Der Rückhalt aus der C64-Community war erstaunlich groß. Viele abonnierten das neue Heft und gaben damit einen Vertrauensvorschuss. Da das Internet damals jedoch noch wenig verbreitet war und sich die Information über das Projekt nur langsam verbreitete, dauerte es ein halbes Jahr, bis genug Abonennten zusammen gekommen waren, um mit der Erstausgabe zu starten.

[Bearbeiten] Die Gründer

Die Aufgabenverteilung bei der GO64! sah im ersten Jahr etwa folgendermaßen aus:

  • Malte Mundt: Inhalt des Heftes, primär Spieletests, Programmierkurse, Interviews, u.v.m.
  • Günther Bauer: Layout des Heftes, sowie Inhalte bezügl. Demo-Szene, GEOS etc.
  • Enno Coners: Verwaltung der Abonennten, Erstellung der Disketten, Versand usw.

Jeder übernahm dabei natürlich auch dynamisch weitere Aufgaben, vor allem musste jeder zusätzlich freie Redakteure gewinnen, damit die monatliche Erscheinungsweise in hoher Qualität überhaupt möglich wurde. Enno Coners meldete ein Gewerbe an, damit das ganze einen rechtlichen Rahmen hatte. Weitere Unterstützung kam u.a. von Wanja Gayk, der später vor allem als "Leserbriefonkel" der GO64! bekannt wurde.

Einer der größten Unterschiede zum Vorbild 64'er war, dass es kein Verlagsgebäude, keine wirkliche Redaktion an einem Ort gab. Die GO64! entstand komplett durch Fern-Zusammenarbeit, das war für ein Projekt dieser Größe und unter dem Zeitdruck monatlicher Erscheinungsweise ein Novum. Die Beteiligten hatten mit dieser Art der Zusammenarbeit vorher schon positive Erfahrungen innerhalb der C64-Szene gemacht, wo es normal war, über große Entfernungen z.B. gemeinsam an einem Demo zu arbeiten. Jeder saß zu Hause an seinem System und leistete seinen Beitrag nach bestem Wissen. Für die Entstehung der GO64! wären Kosten für ein kleines Büro ein Killer gewesen. Doch auch die damaligen Modems waren für den Transfer von Bilddaten in druckfähiger Auflösung noch viel zu langsam. Das Heft zu realisieren wäre enorm schwierig gewesen, hätte Malte Mundt nicht die Möglichkeit gehabt, an seiner Hochschule die Breitband-Internetanbindung, den Scanner sowie das ZIP-Laufwerk zu benutzen.

Die erste Zeit war für alle Beteiligten sehr hart, da jeder primär sein Studium bzw. Arbeit hatte und die monatlich erscheinende GO64! in der Freizeit entstehen musste. So trug jeder der drei mit viel Zeit, Ideen und Idealismus zum Gelingen dieses Projekts bei.

[Bearbeiten] Namensgebung

Der Name GO64! war inspiriert vom BASIC-Befehl GO64 des C128 zum Wechseln in den C64-Modus, den sogar der C65 hatte. Die Aussage war philosophisch: Dass Nachfolger des C64 eine Rückkehr zum Original vorsahen, zeigte die "wahre Größe" des C64. Gleichzeitig war der Name auch ein kleiner Seitenhieb an den WEKA-Verlag, der ja die Redakteure der 64'er teilweise einspannte, um die PC-Zeitschrift PCgo! herauszubringen, der die "Faltblatt-64'er" dann beilag.

[Bearbeiten] Diskette zum Heft

Wie das Vorbild 64'er sollte dem Heft auch eine Diskette beiliegen. Jeden Monat aufs neue interessante Inhalte dafür zu finden, ohne die Macher entlohnen zu können, erwies sich natürlich als Herausforderung. Zumindest in den ersten Jahren gelang das aber immer wieder, z.B. durch Zusammenarbeit mit Spieleentwicklern. Die Disketten wurden in der ersten Zeit sogar noch mit 1541, Parallelkabel und REU kopiert. Erst später gelang es Enno Coners, eine alte Diskettenkopiermaschine aus dem Profibereich zu ergattern.

[Bearbeiten] Druck

Auch wenn die Gründer der GO64! und die freien Redakteure ebenso wie einige Software-Entwickler (Diskette) kein Geld oder sonstige Leistungen für ihre Arbeit erhielten, entstanden natürlich Kosten. Eigenkapital oder nennenswerte Werbeeinnahmen waren nicht vorhanden und bei einer verhältnismäßig geringen Stückzahl kostet ein einzelnes Heft relativ viel. Günther Bauer hatte deshalb die Idee, einen wichtigen, aber teuren Schritt im Druckverfahren zu überspringen und die Druckvorlagen mit einem Laserdrucker direkt zu erstellen. Das sparte eine Menge Geld und machte das Heft überhaupt erst möglich. Bei schwarz/weiß-Seiten war der Qualitätsverlust minimal, ein großes Problem ergab sich jedoch beim Druck der Titelseiten und der wenigen Farbseiten im Heft. Für den Farbdruck müssen, einfach ausgedrückt, die Bilder in vier "Farbkanäle" unterteilt werden. Hatte man beim Schwarz/Weiß-Druck lediglich eine etwas schlechtere Qualität, fehlte jedoch beim Farbdruck teils wichtige Farbinformation, so dass die ersten paar Ausgaben der GO64! auf den Titelseiten farblich immer etwas merkwürdig, blass oder irgendwie billig aussahen.

Erst als die GO64! einigermaßen auf stabilen Füßen stand und ein paar mehr Abonnenten vorhanden waren, konnte man die Einsparungen im Druck-Preprocessing sein lassen. Ab Ende 1997 sahen die Titelseiten dann farblich kräftig und schön aus, auch das Logo erstrahlte in professionellerem Glanz.

[Bearbeiten] Sonstiges

Zeitweise erschien die "GO64!" in Kooperation mit der Computerzeitschrift COMPUTER Flohmarkt mit den Ausgaben 07/2001 bis 04/2003 ohne Diskette am Zeitungskiosk. Zudem übernahm man 1999 den Kundenstamm der bis dahin erschienenen Commodore World und bot einige Jahre parallel eine englischsprachige Ausgabe an.

Nachdem bereits im Jahre 2006 mehrere Nummern der Zeitschrift zusammengefasst erschienen, und als Versuchsballon die Ausgabe 03-05/2006 bis auf den Umschlag mit der vom CSW-Verlag neugestarteten Zeitschrift RETRO identisch war, erschien mit der Ausgabe 08-09/2006 die GO64! letztmalig als eigenständige Publikation. Die bisherigen Abonnenten erhalten seither vierteljährig die jeweils aktuelle Ausgabe der RETRO, allerdings in einer anderen Umschlagvariante, auf der statt des Schriftzugs RETRO der Name der alten Zeitschrift prangt und die sich an der Ausgabennummerierung der GO64! orientiert. Auf der beiden Varianten beiliegenden CD-ROM sind d64-Images von GO64!-Disketten enthalten.

GO64!-Abonnenten erhalten die Zeitschrift statt wie zuletzt für knapp 60 Euro im Jahr nun für 50 Euro, das Abo über einen RETRO-Jahrgang kostet jedoch nur 25 Euro. Der Verlag hat nach der Umstellung auf Anfrage zugesichert, den Mehrwert des GO64!-Abos dadurch zu gewährleisten, dass einmal im Jahr sich eine nur mit C64-Themen beschäftigende Sonderausgabe für jenen Kundenkreis zusammengestellt werden sollte. Seit dieser Ankündigung von Anfang 2007 ist jedoch nichts dergleichen geschehen. Das beschriebene spezielle GO64!-Abo wird auf der Internetseite des CSW-Verlages seit etwa Anfang 2008 auch nicht mehr angeboten.

[Bearbeiten] Weblinks