Frank Erstling

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Frank Erstling
Frank Erstling
Name Frank Erstling
Branche
  • Redakteur
  • Grafiker
  • Programmierer
Informationen


Frank Erstling war Herausgeber des PDF-Magazines CeVi-Aktuell, das 2009 eingestellt wurde.

Anschließend war er einer der Gründer des Nachfolgers RETURN, bei dem es sich um eine gedruckte Computerzeitschrift handelte.

Die Redakation der RETURN und der Verlag SIGN SET Werbegrafiken werden bis heute von Frank Erstling geleitet (Stand Mai 2021).


Leseprobe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein von Frank Erstling gezeichneter Comic

In der CeVi-Aktuell 7/05 wurde ein Artikel von Frank Erstling veröffentlicht, den er zuvor bereits im Forum C64 Online gepostet hatte. Die Leseprobe gibt nicht nur einen Eindruck von Erstlings Schreibkünsten, sondern auch einen autobiografischen Überblick bezüglich seiner "Homecomputer-Karriere":


Ich bin Baujahr 1968, also zum Zeitpunkt dieses Postings 38 Jahre alt. Scheinbar gehöre ich eher zu den Oldies hier, zumal ich gelesen habe, dass einige von Euch erst in den 90ern zum C64 kamen (ich wusste in den 90ern gar nicht, dass es dieses Teil da noch gab). Ich gehöre zu denen, die die Geburtsstunde des C64 voll und bewusst mitbekommen haben. Ich begann mich für Computer zu interessieren, da kam der ZX-81 gerade raus. Der C64 war mein 2. Computer, vorher habe ich mal einen TI99-4A besessen. Nunja, sicherlich ist dem ein oder anderen die Wehrpflicht ein Begriff, seinerzeit kam man da nicht so einfach drumherum, sprich: Nach meiner Lehre, welche ich 1987 beendet habe, wurde ich von Vater Staat zum Wehrdienst einberufen. In meiner Lehrzeit hatte ich die seltene Gelegenheit, einen SX-64 von meinem Meister zu ergattern; für damals lächerliche 400 DM. Meine Mitlehrlinge hatten allesamt damals keinen Bezug zum Thema Heimcomputer, so blieb also ein blutiger Kampf aus, sprich: 400 DM auf den Tisch geblättert und ich war stolzer Besitzer eines des bis heute gefragtesten Heimcomputers. Die Zeit der Einberufung kam, ich wurde zur Grundausbildung nach Budel (Holland) zur Luftwaffe gerufen. Für alle, die nie beim Bund waren, sei gesagt: die Grundausbildung ist die härteste Zeit, hier lernt man Drill, Ordnung und Respekt! Tja, mit Letzterem habe ich bis heute so meine Probleme, als gerade 18jähriger kommt das allerdings nicht so gut, wenn man etwas aufmüpfiger ist. Was soll ich sagen: mein Einstand war da nicht so gut. Nach einiger Zeit gab es dann Wochenendurlaub, hurra, alle Mann nach Hause für 2 1/2 Tage. Heim zur Freundin und: zu meinem geliebten SX-64. Aber Moment! Das Ding ist doch schließlich ein Schlepptop! Also: Am Sonntag Abend nicht nur frische Wäsche ins Auto, sondern auch meinen 11 Kilo schweren SX. Mitleidige Blicke erntete ich von meinen Mitfahrern, als ich den langen Weg vom Parkplatz zu unserer Unterkunft dieses Monster mitschleppte. Auf unserer Stube bekam das Teil erst einmal einen Ehrenplatz, in unserer Freizeit saß ich dann an der Daddelkiste und zockte, während die anderen ihren spärlichen Sold im Mannschaftsheim versoffen (Idioten). So richtig interessierte sich eigentlich niemand von meinen Mitwehrdienstlern für dieses Teil. Eine überraschende Wende nahm meine Position in dieser Menge von über 1.000 Wehrpflichtigen aber, als der Kommandant unseres Zuges uns alle vor der Tür antreten ließ und fragte, ob denn irgendwer hier Erfahrungen mit Computern hätte. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte mich kaum einer, nur in diesem Moment war ich der Einzige in unserem Zug, der die Hand hob. Okay, dies wäre geklärt, aber woher jetzt noch einen Computer bekommen, wurde gefragt. Äääh, den habe ich schon hier, antwortete ich. Der interessierte Leser möge sich nun lösen von der heute üblichen Vorstellung, dass wir alle als Zweit- und Drittcomputer einen Laptop besitzen: so was gab es damals nicht. Und dass der Computer nun bereits im Haus war, war mein Schritt in ein besseres Leben beim Bund. Die Information, dass einer einen portablen C64 besitzt, sprach sich in der Kaserne rund wie ein Lauffeuer. Plötzlich kamen von allen Seiten Personen auf mich zu, die nach aktuellen Spielen fragten. Da ich vor meiner Bundeswehr-Zeit knietief in der Hacker- und Kopiererszene steckte, war ich natürlich extrem gut ausgerüstet und schnell der Dreh- und Angelpunkt der Spieleverteilung in der Kaserne. Doch warum hatte unser Kommandant überhaupt danach gefragt? Alljährlich wurde zwischen unserer Kaserne und einer benachbarten holländischen Kaserne ein Wettschießen unter den hohen Tieren durchgeführt. Eigentlich brauchten die nur jemanden, der die Punkte zusammenzählt (hätte man auch mit Papier und Bleistift machen können). Allerdings waren das so viele Personen, welche auch noch parallel schossen, dass ein Ausrechnen schnell gehen musste. Eigentlich sollte mein SX wie ein großer Taschenrechner benutzt werden. Dies fand ich aber etwas "unter meiner Würde", so schrieb ich eine Woche vorher ein kleines Basic-Programm, in das die Namen der Beteiligten eintragen wurden, eigentlich so eine Art kleine Excel-Tabelle. Das Highlight war aber, dass nach Eingabe des Namens und des geschossenen Rings (es wurde auf Ring-Zielscheiben geschossen) die Zielscheibe angezeigt wurde und ein kleiner Punkt auf der Zielscheibe den getroffenen Ring markierte. Natürlich nicht genau an der Stelle, wo die Scheibe wirklich getroffen wurde, aber immerhin. Na ja, was soll ich sagen: Die hohen Tiere standen mit staunenden Mienen hinter mir, als ich die Punkte eintrug. Der SX-64 rechnete alle Punkte der jeweiligen Gruppen und Personen zusammen und erstellte eine Top-Ten auf dem Bildschirm. Seit diesem Tag hatte ich Narrenfreiheit in dieser Kaserne. So kam es zum Beispiel, dass die gesamte Kaserne zu einem Manöver ausrücken musste; nur ich nicht. Ich wurde woanders gebraucht, hieß es. In Wirklichkeit saßen an dem Tag einige meiner Vorgesetzten, die auch nicht am Manöver teilnahmen, mit mir zusammen vorm SX-64 und zockten die neuesten Games ... Witziger Weise sei noch erwähnt, dass die größten Zocker nicht die Wehrdienstleistenden, sondern die Stabsunteroffiziere und Feldwebel waren ... Es kam eine Zeit, da interessierte mich das Thema Heimcomputer nicht so sehr. Der SX wurde verkauft, der PC war angesagt. Seit einigen Jahren aber baue ich die Hardware um meine Vergangenheit wieder auf: Heute besitze ich wieder einen SX-64, den ich jetzt nicht mehr hergebe. Schade nur, dass ich das Programm, welches ich mal selbst geschrieben habe und das mir diesen besonderen Status beim Bund beschert hatte, nicht mehr habe.

Grüße an alle, denen diese Geschichte gefallen hat!


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Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]