Magic Desk
| Magic Desk | |
|---|---|
| Entwickler | John Feagans Andy Finkel Michael Tomczyk Jeff Bruette |
| Firma | Commodore |
| Verleger | Commodore |
| Release | 1983 |
| Lizenz | Proprietär |
| Plattform(en) | C64 |
| Genre | Produktivitätssoftware |
| Steuerung | |
| Medien | |
| Sprache(n) | |
| Information | Grafische Benutzeroberfläche mit Textverarbeitung und Dateiverwaltung, siehe auch Magic Desk II |

Magic Desk ist eine von Commodore entwickelte Produktivitätssoftware für den C64. Ursprünglich war eine ganze Software-Reihe geplant, tatsächlich erschien jedoch nur die erste Version mit dem Untertitel Type and File.
Die Software wurde erstmals auf der Summer Consumer Electronics Show (CES) 1983 vorgestellt und im November desselben Jahres veröffentlicht. Ziel war es, dem C64 eine benutzerfreundliche Arbeitsumgebung mit grafischer Oberfläche bereitzustellen.
Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Commodore entwickelte Magic Desk als Reaktion auf den Mangel an Produktivsoftware für den C64 sowie als Antwort auf moderne grafische Benutzeroberflächen, wie sie beispielsweise beim Apple Lisa zu sehen waren.
Trotz ursprünglicher Pläne für weitere Erweiterungen wurde die Reihe nach der ersten Veröffentlichung eingestellt. Stattdessen konzentrierte sich Commodore auf Softwarelösungen für nachfolgende Systeme wie den Plus/4.
Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Magic Desk bietet eine einfache grafische Benutzeroberfläche, die über einen Joystick gesteuert wird. Der Mauszeiger wird dabei durch eine Hand dargestellt.
Die Startansicht zeigt einen virtuellen Raum mit verschiedenen Objekten:
- Schreibtisch
- Aktenschrank
- Papierkorb
- Tür
Viele dieser Elemente sind rein dekorativ; funktional sind hauptsächlich:
- Schreibmaschine (Textverarbeitung)
- Aktenschrank (Dateiverwaltung)
- Papierkorb (Löschen von Dokumenten)
Textverarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der integrierte Editor simuliert das Verhalten einer mechanischen Schreibmaschine:
- Darstellung eines Papierblatts mit Randmarkierungen
- akustisches Feedback bei Tastatureingaben
- Glockensignal kurz vor dem rechten Rand
- manueller Zeilenumbruch erforderlich

Der Funktionsumfang ist stark eingeschränkt:
- keine Blockbearbeitung
- kein Suchen/Ersetzen
- maximale Dokumentlänge: ca. 60 Zeilen
Dateiverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Dokumente werden über eine metaphorische Aktenschrank-Struktur organisiert:
- Schubladen → Ordner → Dokumente
Das Speichern erfolgt auf Diskette. Das Programm überprüft dabei:
- ob eine Diskette eingelegt ist
- ob diese formatiert ist
Nicht initialisierte Disketten können direkt aus dem Programm heraus formatiert werden.
Entwicklung und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Entwicklung von Magic Desk begann Anfang der 1980er Jahre bei Commodore mit dem Ziel, eine grafisch orientierte Produktivsoftware für den C64 zu entwickeln.
Die Entwicklung wurde maßgeblich von John Feagans geprägt, der zuvor an PET-Systemen gearbeitet hatte. Ein früher Prototyp bestand aus einer grafischen Dateiverwaltung mit animierten Aktenschränken, die später auf den C64 übertragen und um eine Textverarbeitung ergänzt wurde.
Während der Entwicklungsphase kam es zu Verzögerungen bei der Fertigstellung. Zeitgenössische Berichte weisen darauf hin, dass Commodore zeitweise erwog, die erste Version zu überspringen und stattdessen direkt eine erweiterte Version mit größerem Funktionsumfang zu veröffentlichen. Diese Überlegungen standen im Zusammenhang mit dem ambitionierten Konzept einer modular erweiterten Produktivsoftware.
Aufgrund von Zeitdruck wurde das Projekt jedoch nicht vollständig umgesetzt. Die schließlich veröffentlichte Version Type and File blieb auf grundlegende Funktionen beschränkt und bietet im Wesentlichen eine einfache Textverarbeitung sowie eine grafisch dargestellte Dateiverwaltung. Viele ursprünglich geplante Erweiterungen wurden nicht realisiert.
Eine weiterentwickelte Version, die als Magic Desk II bezeichnet wird und zusätzliche Anwendungen wie Rechner, Tabellenkalkulation und Adressverwaltung umfassen sollte, wurde zwar angekündigt und teilweise demonstriert, jedoch nie offiziell veröffentlicht.
Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Zeitgenössische Tests bewerteten Magic Desk gemischt.
Positiv hervorgehoben wurden:
- innovative grafische Benutzeroberfläche
- einfache Bedienung für Einsteiger
- realitätsnahe Simulation einer Schreibmaschine
Kritisiert wurden:
- sehr eingeschränkte Textverarbeitung
- fehlende Komfortfunktionen
- teilweise unklare Benutzerführung
- langsame Diskettenzugriffe
Ein Artikel im Magazin RUN hob insbesondere die anschauliche Umsetzung der Schreibmaschinen-Darstellung hervor, bemängelte jedoch die eingeschränkten Bearbeitungsmöglichkeiten und den insgesamt begrenzten Funktionsumfang der Textverarbeitung.
Viele Rezensenten sahen die Software eher als Einstiegslösung für Anfänger.
Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Trotz der Kritik war Magic Desk für viele Anwender die erste Begegnung mit einer grafischen Benutzeroberfläche auf dem C64.
Die Software trug dazu bei, den C64 nicht nur als Spielecomputer, sondern auch als Arbeitsgerät zu positionieren.
Spätere Entwicklungen wie GEOS griffen das Konzept einer grafischen Oberfläche erneut auf und erweiterten es deutlich.
Hardware[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Steckmodul-Hardware unterstützt Bankswitching - das Original benutzt vier Bänke à 8kBytes. Generische Versionen der Hardware werden in der Retro-Community inzwischen vielfach auch für andere Software benutzt (siehe Artikel Steckmodul).
Nachfolger und Prototypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ein Nachfolger mit erweitertem Funktionsumfang (oft als Magic Desk II bezeichnet) wurde entwickelt und 1984 vorgestellt, jedoch nie offiziell veröffentlicht.
Ein Prototyp dieser Version tauchte erst viele Jahre später als ROM-Image im Internet auf.
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
| Wikipedia: Magic Desk |
