Magic Desk II
| Magic Desk II | |
|---|---|
| Entwickler | John Feagans Andy Finkel Michael Tomczyk Jeff Bruette |
| Firma | Commodore |
| Verleger | Commodore |
| Release | nicht veröffentlicht (Prototyp, ca. 1984) |
| Lizenz | Proprietär |
| Plattform(en) | C64 |
| Genre | Produktivitätssoftware |
| Steuerung | |
| Medien | |
| Sprache(n) | |
| Information | Erweiterte grafische Benutzeroberfläche mit zusätzlichen Anwendungen wie Rechner, Tabellenkalkulation und Adressverwaltung, siehe auch Magic Desk |
Magic Desk II ist eine nicht veröffentlichte Weiterentwicklung der Produktivsoftware Magic Desk (Type and File) für den C64.
Die Software wurde als erweitertes Konzept mit zusätzlichen Anwendungen wie Rechner, Tabellenkalkulation und Adressverwaltung entwickelt, jedoch nie offiziell veröffentlicht.
Bekannt ist Magic Desk II heute vor allem durch einen erhaltenen Prototypen, der Einblicke in die ursprünglich geplante Funktionsvielfalt gibt.
Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Während interner Tests im Jahr 1983 wurde deutlich, dass die Software trotz ihres erweiterten Funktionsumfangs noch zahlreiche Probleme aufwies. Die Testergebnisse zeigen, dass insbesondere Bedienbarkeit und Stabilität nicht den Erwartungen entsprachen.
Interne Tests und Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Interne Testberichte aus dem Jahr 1983 zeigen, dass sich Magic Desk II trotz des erweiterten Funktionsumfangs noch in einem frühen und fehleranfälligen Entwicklungszustand befand.
Die Tester bemängelten unter anderem:
- zahlreiche Programmfehler und instabile Bedienung
- unzureichende Reaktionszeiten bei Eingaben
- Probleme bei der Textverarbeitung (z. B. Eingaben am rechten Rand)
- Einschränkungen und Inkonsistenzen in der Tabellenkalkulation
- fehlende oder unklare Benutzerführung
Auch die allgemeine Bedienbarkeit wurde kritisch gesehen. Insbesondere wurde hervorgehoben, dass viele Funktionen nur umständlich erreichbar seien und die Benutzeroberfläche nicht konsistent arbeite.
Diese internen Bewertungen deuten darauf hin, dass Magic Desk II trotz seines erweiterten Konzepts nicht die notwendige Reife für eine Veröffentlichung erreichte.
Funktionsumfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Prototyp von Magic Desk II erweitert das ursprüngliche Konzept von Magic Desk (Type and File) deutlich. Neben der Textverarbeitung umfasst die Software mehrere integrierte Anwendungen:
- Rechner (Calculator)
- Tabellenkalkulation („Financial Ledger“)
- Textverarbeitung („Typewriter“)
- Dateiverwaltung („Filing Cabinets“)
- Adressverwaltung („Rolodex“)
Diese Komponenten sind über die grafische Benutzeroberfläche zugänglich und bilden zusammen eine umfassendere Arbeitsumgebung als die ursprüngliche Version.
-
Start
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Rechner
-
Tabellenkalkulation
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Adressverwaltung
Technische Details[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das als „Magic Desk Voice“ bekannte Prototyp-Steckmodul unterscheidet sich in mehreren Punkten von der ursprünglichen Version Magic Desk (Type and File).
Während das ursprüngliche Modul überwiegend aus einem BASIC-Programm besteht, das beim Start in den Arbeitsspeicher des C64 kopiert wird, verwendet der Prototyp teilweise kompilierten Code. Dadurch sowie durch zusätzliche Programmmodule vergrößerte sich der Speicherbedarf um etwa 16 KB.
Die Bankumschaltung erfolgt über das Register bei Adresse $DE00, wobei die unteren drei Bits zur Auswahl der Speicherbänke verwendet werden. Im Gegensatz zu späteren Magic-Desk-kompatiblen Modulen erfolgt das Deaktivieren des Moduls beim Prototyp über Bit 3 dieses Registers.
Dieses Verhalten weicht vom später etablierten Standard ab, bei dem Bit 7 zur Deaktivierung verwendet wird. Moderne Emulatoren und Flash-Cartridges wie VICE, Denise oder Geräte wie Kung Fu Flash erwarten in der Regel dieses spätere Verhalten.
Aufgrund dieser Abweichung kann der Prototyp in unveränderter Form auf modernen Systemen Fehlfunktionen zeigen, da das Modul nicht korrekt deaktiviert wird. Durch Anpassungen, bei denen die entsprechende Steuerung von Bit 3 auf Bit 7 umgestellt wird, lässt sich jedoch eine kompatible Funktionalität herstellen.
Es existieren heute angepasste ROM-Versionen, die eine korrekte Ausführung des Moduls in modernen Emulatoren und auf Flash-Cartridges ermöglichen.
Prototyp und erhaltene Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Von Magic Desk II ist ein Prototyp überliefert, der in Form von ROM- und Cartridge-Abbildern vorliegt.
Diese Abbildungen enthalten bereits zusätzliche Anwendungen wie Rechner, Tabellenkalkulation und Adressverwaltung und können in Emulatoren oder auf entsprechender Hardware ausgeführt werden.
Wiederentdeckung und Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Im Jahr 2021 wurde ein als „Magic Desk Voice“ bekanntes Prototyp-Modul aus dem Umfeld von John Feagans wiederentdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Folge wurde das Modul unter anderem in Videos vorgestellt und zusammen mit dem Sprachmodul Magic Voice demonstriert.
Die veröffentlichten ROM-Dateien zeigten bei Tests auf modernen Emulatoren und Flash-Cartridges jedoch Funktionsprobleme. Insbesondere konnten eingegebene Texte nicht korrekt gespeichert werden.
Die Ursache hierfür liegt in einer vom später etablierten Standard abweichenden Cartridge-Steuerung, die im Abschnitt „Technische Details“ näher beschrieben wird.
Durch Anpassungen am ROM-Code lässt sich das Modul jedoch korrekt betreiben, sodass der Prototyp heute auch auf modernen Systemen zuverlässig ausgeführt werden kann.
Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Magic Desk II zeigt den Versuch von Commodore, das Konzept einer grafischen Benutzeroberfläche auf dem C64 zu einer umfassenderen Produktivitätsumgebung auszubauen. Der erweiterte Funktionsumfang legt nahe, dass eine modulare Office-Lösung vorgesehen war.
Magic Desk II wurde nicht fertiggestellt und nie offiziell veröffentlicht.
