Swapper

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Ein Swapper (von engl. to swap = tauschen) war ein Mitglied einer C64-Szene-Gruppe, meist Cracker-Gruppe, welches sich darauf spezialisiert hat, die Produkte seiner Gruppe durch Disketten-Tausch mit anderen zu verbreiten sowie ein möglichst großes/vollständiges/hochwertiges Software-Archiv innerhalb der Gruppe aufzubauen.

Der Ursprung: Diskettentausch auf dem Schulhof[Bearbeiten]

Woher kamen eigentlich die ganzen guten Spiele für den C64? Viele kauften diese doch nicht im Laden - gerade in kleineren Städten gab es auch gar keine entsprechenden Geschäfte - sondern kopierten sie sich von Mitschülern oder Bekannten. Irgendwo hatte es ein Cracker geschafft, den Kopierschutz des Spiels zu entfernen... er kopierte es einem Freund und von da aus verbreitete sich der Crack. Wenn ein Spiel vom Hersteller keinen Kopierschutz mitbekam, konnte natürlich sowieso schnell und problemlos eine Raubkopie angefertigt werden.

Die neueste Software illegal per Modem beziehen[Bearbeiten]

Die Profi-Cracker verfügten selbstverständlich über Modems, um Software z.B. aus den USA oder England zu bekommen. Und um die immensen Telefonkosten zu vermeiden, wurden Tricks (z.B. Blueboxing) genutzt - im Endeffekt nutzte man also illegal die Telefonleitungen, um illegale Software herunterzuladen. Das Herumhängen auf den Boards kostete allerdings viel Zeit, so dass das "Modemtrading" bald Aufgabe der Trader wurde.

Swapper: Die Verbindung zwischen Profis und dem Rest der Welt[Bearbeiten]

Der Großteil der C64-Nutzer machte sich allerdings kaum Gedanken um das illegale Kopieren - man tat es einfach und bewunderte ggf. noch die Cracker-Intros. Um die Verbreitung der eigenen Cracks - oder auch Demos - sicherzustellen, fingen Cracker-Gruppen aber bald an, sogenannte Swapper aufzunehmen. Auch die Bezeichnung Spreader (zu Deutsch etwa Verbreiter) war gängig. Diese tauschten aktuelle Software nicht bloß auf dem Schulhof, sondern im großen Stil per Post. Disketten wurden, oft gemeinsam mit einem Letter, an Kontakte (Contacts) verschickt. Die Contacts wiederum kopierten sich die Software und schickten die Disketten - bespielt mit anderer, neuer Software - zurück. Das Swappen per Post erfreute sich zunehmender Beliebtheit, da viele die Nutzung eines Modems scheuten - aus Kostengründen oder vielmehr weil das Risiko, erwischt zu werden, beim illegalen Nutzen der Telefonleitungen viel höher eingeschätzt wurde als das Risiko des Tauschens von Cracks per Post. Um ihre Software in alle Ecken der Welt zu verteilen, hatten Cracker-Gruppen in der Regel einige Swapper, von denen jeder mind. 10-20 Kontakte pflegte.

Ferner bedeutete der Einstieg als Swapper für viele C64-User, die weder Programmier- noch sonstige Kenntnisse hatten, eine attraktive Möglichkeit, sich als Teil der Szene zu fühlen. Hatte man einmal ein Szene-Diskmag in den Händen, fand man dort internationale Adressen anderer Swapper, die man anschreiben konnte. War die mitgeschickte Software interessant genug, erhielt man Antwort.

Wachsende Bedeutung wegen Systemwechsel vieler C64-Besitzer[Bearbeiten]

In den 1990er Jahren stieg die Bedeutung der Swapper für die C64-Community rapide an. In den Schulklassen wechselten immer mehr Schüler zu anderen Systemen wie Amiga oder PC, manche fanden auch Spielkonsolen wie das SNES oder Mega Drive toll. Verbreiteten sich C64-Cracks früher quasi fast von alleine, mussten die verbliebenen C64-Fans sich nun aktiver um Kontakte bemühen, die aktuelle C64-Spiele "reinbekamen". Wohl dem, der einen Swapper kannte, welcher von Kontakten aus anderen Städten oder Ländern neue Software bekam. Diese Entwicklung führte bei so manchem C64-Besitzer zu einem "bewussteren" Dasein als C64-Freak, viele begannen sich für die Szene zu interessieren und manche wurden bald selbst Swapper oder gar Coder, Composer oder Grafiker.

Mega-Swapper[Bearbeiten]

Unter den Swappern gab es auch sog. Mega-Swapper, welche 50-100 Kontakte hatten und deshalb oft in hohem Ansehen standen. Allerdings war dies oft nicht von Dauer: Die vom vielen Versenden gebeutelten Disketten wiesen nämlich immer häufiger Fehler auf, die aber beim Kopieren nicht mehr erkannt wurden, da aus Zeitmangel oft ohne Verify (Verifizieren der geschriebenen Daten) kopiert wurde. Heiß ersehnte neue Spiele oder Demos kamen so oft defekt beim Empfänger an, dies wurde aber erst bei intensiverem Anschauen bemerkt. War ein Crack eines Spieles 100%ig lauffähig - was ja gar nicht immer gelang - wurde dieser ggf. durch das Mega-Swapping in nicht lauffähiger Form immens weit verbreitet.

Stamp-Cheating[Bearbeiten]

Briefmarken kosteten wesentlich weniger als die Übertragung der Daten per Telefon - und das, obwohl beim physischen Versenden viele Personen, LKW, etc., beteiligt waren, während bei der DFÜ lediglich existierende Leitungen genutzt wurden. Trotzdem war vor allem für Swapper der Kostenfaktor oft zu hoch, weshalb gern auf sog. Stamp-Cheating zurückgegriffen wurde (Stamp = engl. Briefmarke, Cheating = Betrügen). Dabei wurden meist die Briefmarken mit durchsichtigem Klebstoff oder Leim beschichtet, so dass man später den Poststempel abwischen konnte. Internationale Swapper schrieben deshalb oft in ihre Notes oder auf einen kleinen Zettel in der Sendung die Worte: "Stamps back!".

Doppelmoral der Cracker-Szene[Bearbeiten]

Die Cracker-Szene zeigte in vielen Fällen eine Art Doppelmoral. Beim Swappen äußerte sie sich in dem Spruch "Disk Stealing is a Crime" (auf Deutsch: "Disketten stehlen ist ein Verbrechen"). Damit war gemeint, dass Kontakte nicht einfach Disketten behalten sollten, die sie zugeschickt bekommen hatten, sondern in gleicher Zahl zurücksenden sollten. D.h. gecrackte Spiele zu verbreiten, eventuell sogar noch vor Verkaufsstart, und damit den Firmen/Programmierern immensen Schaden zuzufügen, war in Ordnung - die Disketten eines Kontakts nicht vollständig zurückzusenden jedoch ein "Verbrechen".

Ende der Swapper[Bearbeiten]

Mit der Verbreitung des Internets und gleichzeitig der Möglichkeit, Disketten-Images mittels X1541-Kabel zwischen C64- und PC-System zu übertragen, schwand die Bedeutung der Swapper (ebenso wie der Modem-Trader). Eine Zeit lang wurde noch eine "Mail-Swapping-Szene" gepflegt, in der einige Gruppen, die den alten Zeiten nachtrauerten, bewusst ihre neuen Produktionen zuerst den Swappern gaben, damit diese Disketten per Post an Kontakte verschicken konnten. Erst etwas später wurde die Software dann online gestellt. Inzwischen sind Swapper fast völlig verschwunden, was aber auch bedeutet, dass man neue Software nicht mehr bekommt sondern sich aktiv holen muss. Dafür muss man aber von ihr wissen, sprich News-Seiten und Szene-Portale wie die CSDb regelmäßig besuchen.