XA1541F

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Das XA1541F-Kabel ist eine spezielle Form des XA1541-Kabels und erlaubt es, eine IEC-Floppy an den Parallelport eines PCs anzuschließen. Im Gegensatz zum normalen XA1541 benutzt diese Variante leicht erhältliche und preisgünstige FETs (BS170, ca. € 0,10 bei Abnahme von Kleinstmengen). [1]

Software, die mit dem XA1541 funktioniert, funktioniert auch mit dem XA1541F. Wie bei allen Parallelport-basierten Kabeln funktioniert das XA1541F nur mit PCs, die direkt einen Parallelport eingebaut haben, nicht via USB-Parallelport-Adapter und nicht (unbedingt) mit per PCI-Karte nachgerüsteten Parallelports.

Stückliste[Bearbeiten]

Menge Bauteil
4 BS170
1 DIN-Stecker, 6-polig (DIN 45322), für die serielle Schnittstelle
1 Sub-D-Stecker, 25-polig, sinnvollerweise mit Gehäuse
etwas Leitung, 5-polig oder 4-polig mit Abschirmung (empfohlen, Abschirmung dient als Masseleitung)
etwas Lötzinn

Je nach Aufbau könnte auch etwas Schrumpfschlauch sinnvoll sein (siehe Bilderstrecke). Nach dem ersten Test des Kabels habe ich Elektronik und Leitung im Gehäuse mit etwas Heißkleber fixiert. Wenn man noch andere Kabel der X1541-Serie hat, dann ist eine Beschriftung auch durchaus sinnvoll.

Das Kabel sollte zwar nicht zu lang werden, aber doch lang genug, dass man einen gewissen Abstand zwischen Rechner und 1541 einhalten kann (siehe Hinweis am Ende des Artikels).

Vorteile des BS170[Bearbeiten]

  1. Der BS170 wird als TTL-kompatibel vermarktet. Das heißt, dass er sowohl eingangsseitig mit TTL-Pegeln zurecht kommt als auch ausgangsseitig TTL-kompatible Pegel bereitstellt.
  2. Er ist leicht erhältlich.
  3. Er ist extrem preisgünstig.
  4. Als FET benötigt er keinen Basiswiderstand (so wie die bipolaren Transistoren im originalen XA1541).
  5. Er ist bedrahtet und daher für viele Leute leichter zu verbauen (speziell bei fliegenden Aufbau ohne Platine).
  6. Er ist mit recht schnell (schneller als der BSV52 im originalen XA1541, der speziell wegen seiner Schnelligkeit ausgewählt wurde). Das Total Propagation Delay liegt bei typischerweise 4 ns bei aufsteigender und abfallender Flanke. Die Millerkapazität liegt bei oder unter 50 pF.
  7. Er ist vergleichsweise leistungsstark. Es wird angenommen, dass er bis zu 11 Geräte am IEC-Bus zuverlässig ansteuern kann (die Treiber im C64 kommen auf bis zu 8 Geräte).

Alternative Transistoren[Bearbeiten]

Die MOSFETs 2N7000 (TO-92-Gehäuse, bedrahtet) und 2N7002 (SOT-23-Gehäuse, SMD) sind laut Datenblatt weitestgehend kompatibel zum BS170. Der 2N7002 wurde von Mika Leinonen problemlos verwendet.

Der IRLML2402 war offenbar mal für das SD2IEC vorgesehen, dort allerdings mit zusätzlichen Widerständen. Praktische Erfahrungen mit diesem HEXFET sind mir nicht bekannt.

Bipolare Transistoren[Bearbeiten]

Die Diskussion bipolarer Transistoren ist hier eigentlich fehl am Platze (sie werden im originalen XA1541 verwendet; im XA1541F funktionieren sie nicht, da sie einen zusätzlichen Widerstand benötigen). Aber trotzdem:

Der BSV52 (SOT-23-Gehäuse, SMD) wurde im originalen XA1541 verwendet. Er ist recht schwer erhältlich.

Der BSX20 und der PH 2N2369A sollen angeblich funktionieren, mir liegen aber keine Testergebnisse vor.

Der 2N3904 funktioniert mit bestimmten Parallelports nicht.

Der BCR133 hat ein integrierten Basiswiderstand, der für TTL-Kompatibilität sorgen soll. Leider funktioniert der BCR133 nicht zuverlässig.

Schaltplan[Bearbeiten]

XA1541F-Schaltplan.png

Alle Source-Pins sind mit Masse verbunden. Jeder Gate-Pin ist mit einem Pin des Sub-D-Steckers verbunden, jeder Drain-Pin mit je einem Pin des Sub-D-Steckers und einem des DIN-Steckers.

Bilderstrecke[Bearbeiten]

Fotografische Dokumentation des Zusammenbaus des allerersten XA1541F-Kabels. Ziel war es, die gesamte aktive Elektronik (also die vier BS170) im Sub-D-Gehäuse unterzubringen.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 2005 musste ich feststellen, dass mein "gutes altes" X1541-Kabel an meinem damals aktuellen Rechnern nicht mehr funktionierte. Also musste ein neues Kabel her, und zwar zweckmäßigerweise das beste und modernste, das es damals gab (und das natürlich von der gängigen Software, speziell Star Commander, unterstützt wurde).

Meine Wahl fiel auf das XA1541. Leider war der Transistor BSV52 damals schwer erhältlich. Und ich wollte das neue Kabel am liebsten sofort zusammenlöten und nicht erst lange auf Komponenten warten. Also musste ein anderer Transistor her. An Stelle eines speziellen bipolaren Transistors drängte sich hier der Gedanke an einen TTL-kompatiblen FET auf.

Der "übliche Verdächtige" wäre der BS170; dieser ist TTL-kompatibel. Aber würden die sonstigen Parameter passen? Ich begann also, Datenblätter zu vergleichen, um den besten FET für diese Anwendung zu finden, immer natürlich unter der Voraussetzung, dass es sich um einen weit verbreiteten Typ mit geeigneter Bauform handeln muss. Naja, bei der Bauform war ich zu Kompromissen bereit: das normale bedrahtete TO-92-Gehäuse war mein Favorit, aber auch SMD- oder auch TO-220-Gehäuse kamen in Frage. Gewinner war...der BS170.

Und ich hatte tatsächlich noch ein paar BS170 in der Bastelkiste! Ich konnte also sofort damit beginnen, das Kabel zusammenzulöten. Den Bau habe ich dokumentiert (siehe Bilderstrecke) - damals noch nicht mit einer Digitalkamera, sondern indem ich das Kabel einfach auf einem Flachbettscanner eingescannt habe.

Das Kabel funktionierte erstaunlicherweise auf Anhieb.

Etwa zwei Wochen später führte mich mein Weg in das Forum64, in eine Diskussion über Probleme mit diversen Typen von X*1541-Kabeln. Ich nahm die Gelegenheit wahr, um über meine Erfolge mit dem BS170 zu berichten. Auch die Bilderstrecke vom Zusammenbau habe ich online gestellt (aber keinen Schaltplan, den habe ich erst 2013 erstellt!).

Ab da nahm die "Erfolgsgeschichte" des XA1541F-Kabels seinen Lauf. Mangels Schaltplan oder Bauanleitung wurde das Kabel an Hand meiner Bilder nachgebaut. Das ist bei den Bildern nicht ganz einfach...Respekt! Schließlich tauchte das XA1541F-Kabel sogar in Stückzahlen in kommerziell anmutenden Ebay-Auktionen auf. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass viele Jahre lang die einzige Beschreibung meine Beiträge im Forum64 waren...

Hinweis für den Betrieb[Bearbeiten]

Beim Einsatz als "mobiler Datenretter" mit Laptop, 1541 und dem XA1541F-Kabel habe ich den Laptop der Einfachheit halber direkt auf der 1541 platziert (durch das kurze Kabel gab es auch kaum eine andere komfortable Alternative...). Beim Überspielen der Disketten fielen generell Lesefehler auf den inneren Spuren auf. Diese wurden durch Störeinstrahlung des Laptops verursacht; speziell, wenn der Lesekopf der 1541 weiter unter den Laptop wanderte. Der Lesekopf ist recht empfindlich und das Plastikgehäuse der 1541 bietet faktisch keine Abschirmung gegen die hochfrequenten Störeinstrahlung des Laptops.

Der Hinweis betrifft natürlich nicht nur das XA1541F, sondern generell den Betrieb moderner Hardware in unmittelbarer Nähe einer 1541.

Quellen[Bearbeiten]

  1. BS170 auf Reichelt elektronik

Weblinks[Bearbeiten]